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Welche Vorteile ein Edelstahlgeländer im eingebauten Zustand hat

Stand 5.3.2024 von Gerrit Oelkers 6 Minuten Lesezeit

Ein Geländer ist ein Bauteil mit Lastfall, kein Zubehör. Es muss eine horizontale Last aufnehmen, eine Absturzhöhe sichern, im eingebauten Zustand dauerhaft gegen Korrosion bestehen und am Ende abgenommen werden. Der Vorteil von Edelstahl liegt dabei nicht in der Optik, sondern darin, dass der Korrosionsschutz im Werkstoff steckt und nicht in einer Schicht darauf. Entschieden wird die Qualität trotzdem woanders, nämlich an der Befestigung im Untergrund, denn kein Pfosten ist stärker als sein Anker.

Edelstahlgeländer mit seitlicher Befestigung an einer Betonbrüstung
Edelstahlgeländer mit seitlicher Befestigung an einer Betonbrüstung

Welche Lasten muss ein Geländer im eingebauten Zustand aufnehmen?

Eine horizontale Nutzlast in Höhe des Handlaufs, die sogenannte Holmlast. Für Wohn- und Bürobereiche setzt das Regelwerk 0,5 kN/m an, für Bereiche mit Menschenansammlungen 1,0 kN/m und für Tribünen deutlich mehr (DIN EN 1991-1-1 mit nationalem Anhang). Diese Last wirkt als Linienlast auf den Holm.

Die Holmlast ist nicht der einzige Lastfall. Hinzu kommen Eigengewicht, bei Glasfüllungen die Windlast nach DIN EN 1991-1-4 und bei außen liegenden Bauteilen die Temperaturdehnung des Geländerzugs. Jede dieser Lasten endet im Anker.

Die Lastannahme bestimmt alles weiter oben. Über die Steifigkeit des Pfostens entscheidet der Querschnitt, über die Ankerkraft der Pfostenabstand, und beide Größen hängen zusammen. Pfostenabstand, Profilquerschnitt, Wandstärke und Ankerplattengröße folgen aus der Last, und wer den Pfostenabstand auf der Baustelle vergrößert, ändert damit unbemerkt die Bemessung. Die Last bleibt gleich, der Hebel wird größer.

Ausführung: Die Holmlast immer bis in den Untergrund verfolgen, nicht nur bis zum Pfostenfuß. Ein bemessener Pfosten auf einem nicht bemessenen Dübel ist eine vollständige Rechnung mit einem ungeprüften letzten Glied.

Neben der Last steht die Geometrie, und die ist genauso verbindlich.

Welche Höhen und Öffnungsmaße gelten für eine Umwehrung?

Die Umwehrungshöhe richtet sich nach der Absturzhöhe und steht in den Landesbauordnungen, üblich sind 90 cm bis zu einer Absturzhöhe von 12 m und 110 cm darüber. Für Treppen und ihre Geländer gilt zusätzlich DIN 18065, und diese Norm begrenzt Öffnungen in der Füllung auf eine lichte Weite von höchstens 12 cm.

Gemessen wird die Höhe senkrecht über der Vorderkante der Trittstufe, nicht über dem Podest. An einer gewendelten Treppe ergibt das entlang des Geländers unterschiedliche Pfostenlängen, und genau daran scheitern vorgefertigte Standardlängen.

Die lichte Weite der Füllung wird an der engsten Stelle geprüft, also dort, wo Stab und Holm zusammenlaufen. Bei Querstäben kommt die Frage der Besteigbarkeit hinzu, die in Bereichen mit Kindern geregelt ist und über die Anordnung der Stäbe entschieden wird.

Die Geometrie steht damit fest. Was sie hält, ist der Untergrund.

Wie wird ein Geländer im Beton befestigt?

Über Verbundanker, Verbundspreizanker oder einbetonierte Ankerschienen, bemessen nach einer europäischen technischen Bewertung. Entscheidend sind Verankerungstiefe, Rand- und Achsabstand, die Bewehrungslage und die Annahme gerissener oder ungerissener Beton. Jeder dieser Werte steht im Datenblatt des Ankersystems und wird nach dem Regelwerk nachgewiesen.

Der Randabstand ist der häufigste Konfliktpunkt. Ein Pfosten auf einer schmalen Brüstung oder nahe der Plattenkante bringt den Dübel in den Bereich, in dem der Betonausbruchkegel nicht mehr vollständig ausgebildet werden kann. Die Tragfähigkeit sinkt dann deutlich unter den Katalogwert.

Die Bohrlochreinigung entscheidet über die Haftung beim Verbundanker. Bohrstaub im Loch wirkt als Trennschicht zwischen Mörtel und Betonwand, und der Fehler zeigt sich erst später beim Belastungsversuch oder bei der ersten echten Beanspruchung.

Ausführung: Vor dem Bohren die Bewehrung orten und die Pfostenlage danach verschieben, nicht die Bewehrung trennen. Beim Bohren in Beton entsteht quarzhaltiger Feinstaub, und welche Erfassung am Werkzeug dafür nötig ist, hängt von der Staubklasse des Entstaubers ab.

Beton ist der einfache Fall. Andere Untergründe verlangen andere Lösungen.

Wie wird ein Geländer im Mauerwerk oder in einer Holzkonstruktion befestigt?

Mit Ankern, die für den jeweiligen Stein oder das Holz zugelassen sind, und mit einer Lastverteilung über die Fuge hinaus. In Lochstein gehören Injektionsanker mit Siebhülse, in Vollstein mechanische Anker, und in beiden Fällen darf der Dübel nicht in der Mörtelfuge sitzen.

Mauerwerk reagiert empfindlich auf Momente. Ein seitlich angeschraubter Pfosten hebelt den Stein aus dem Verband, deshalb werden solche Befestigungen mit Ankerplatten, durchgesteckten Ankern oder einer Bewehrungslage im Ringbalken aufgenommen. Bei alten Ziegeln ist eine Probebelastung auf der Baustelle der sicherste Weg.

In der Holzkonstruktion zählt die Faserrichtung. Schrauben auf Zug in der Hirnholzseite tragen wenig, Verbindungen quer zur Faser deutlich mehr, und die Bemessung folgt den Regeln für Holzverbindungen. Der Anschluss an eine Balkenlage braucht eine Verteilung auf mehrere Balken.

Bei Decken im Bestand ist vorher zu klären, was die Konstruktion überhaupt aufnimmt. Wie die Tragfähigkeit einer Stahlsteindecke aus der Vorkriegszeit ermittelt wird, ist eine eigene Untersuchung mit Bauteilöffnung.

Die Befestigung sitzt. Offen bleibt, wie lange das Bauteil hält.

Welchen Vorteil bringt Edelstahl im eingebauten Zustand?

Der Korrosionsschutz liegt im Werkstoff, nicht in einer Beschichtung darauf. Eine Bohrung, ein Zuschnitt oder ein Kratzer legt deshalb kein ungeschütztes Material frei, und die Passivschicht bildet sich an Luft selbst neu. Das spart die Nacharbeit an jeder Schnittkante.

Der Werkstoff muss zur Umgebung passen. Für Innenräume und übliche Außenluft wird regelmäßig 1.4301 verwendet, in chloridhaltiger Umgebung an Küsten, in Hallenbädern oder im Streusalzbereich dagegen 1.4401 oder höher legierte Sorten. Die Einordnung läuft über die Korrosionswiderstandsklasse aus dem Regelwerk für nichtrostende Stähle.

Eine bauliche Eigenschaft kommt hinzu. Edelstahlprofile lassen sich mit kleinem Querschnitt bemessen, und das reduziert die Ankerkräfte an der Brüstung, weil Eigengewicht und Windangriffsfläche sinken. Der Vorteil wirkt damit bis in die Befestigung hinein.

Der Werkstoff hilft nur, solange die Verarbeitung ihn nicht entwertet.

Wie bleibt der Korrosionsschutz an Schnittkanten und Schweißnähten erhalten?

Durch Trennen von Edelstahl und Baustahl in der Werkstatt und durch Nachbehandlung jeder Naht. Schleifstaub aus Baustahlbearbeitung setzt sich in der Oberfläche fest und rostet dort, und genau diese Fremdrostpunkte werden später als Materialfehler gemeldet.

Schweißnähte verlieren im Bereich der Anlauffarben ihre Passivschicht. Beizen, Passivieren oder mechanisches Bearbeiten stellen sie wieder her, und welches Verfahren eingesetzt wird, gehört in die Leistungsbeschreibung. Eine bloß überbürstete Naht sieht sauber aus und ist es nicht.

Der größere Teil dieser Arbeit gehört in die Werkstatt und nicht an das Gerüst. Wie Fertigung und Montage im Metallbau dafür getrennt werden, entscheidet darüber, wie viele Nähte überhaupt auf der Baustelle entstehen. Die Schnittstelle zwischen den Gewerken liegt am Übergabepunkt, an dem der Rohbau die Brüstung freigibt.

Im eingebauten Zustand kommt die Kontaktkorrosion hinzu. Edelstahl an Aluminium oder an feuerverzinktem Stahl braucht eine Trennung durch Kunststoffscheiben oder Beschichtung, sonst wird das unedlere Bauteil geopfert. Dasselbe gilt für Ablaufwasser von einem Bauteil auf ein anderes.

Was in der Werkstatt und auf der Baustelle gemacht wurde, muss am Ende belegt sein.

Wie läuft die Abnahme eines Geländers ab?

Über Maßkontrolle, Sichtprüfung und Unterlagen zur Befestigung. Gemessen werden Umwehrungshöhe, lichte Weiten der Füllung, Pfostenabstände und die Flucht des Holms. Eine Belastungsprobe ist kein Regelfall, sie wird vereinbart, wo der Untergrund unsicher ist.

Zu den Unterlagen gehören die Bemessung mit der angesetzten Holmlast, die Zulassung oder technische Bewertung der verwendeten Anker, das Setzprotokoll mit Bohrdurchmesser, Verankerungstiefe und Drehmoment sowie der Nachweis der Werkstoffsorte. Ohne diese Papiere ist die Tragfähigkeit nicht nachgewiesen, auch wenn das Bauteil stabil wirkt.

Sichtbare Mängel folgen einem engen Katalog: Fremdrost auf der Oberfläche, Anlauffarben an Nähten, nachgearbeitete Bohrungen im Pfostenfuß, fehlende Abdeckkappen, Spiel zwischen Pfosten und Ankerplatte. Jeder dieser Punkte wird mit Ort und Foto erfasst und gehört ins Protokoll.

Die Lage der Anker wird mit abgenommen und festgehalten. Ein Pfosten, der später versetzt werden muss, braucht die Angabe aus dem Setzprotokoll, sonst beginnt die Suche nach tragfähigem Untergrund von vorn.

Nach der Abnahme bleibt die Pflege der Oberfläche eine Frage der Umgebung. Wer im Streusalzbereich oder in einer Halle mit salzhaltiger Luft baut, hält im Protokoll ein Reinigungsintervall fest, damit die Passivschicht nicht unter einer Schmutzschicht arbeitet.