Eine Absauganlage in eine leere Halle zu bauen ist Planungsarbeit, eine Absauganlage in eine belegte Halle zu bauen ist Baubetrieb. Maschinen stehen, Kranbahnen laufen, Leitungen hängen bereits unter dem Binder, und die Produktion hält nicht an. Der Ablauf im Bestand folgt deshalb einer anderen Reihenfolge als der Neubau. Wer sie umstellt, baut die Trasse zweimal oder stellt die Fertigung still.

Welche Bestandsaufnahme steht vor dem ersten Rohrmeter?
Am Anfang steht ein Aufmaß vor Ort, nicht die Hallenzeichnung aus dem Archiv. Gesucht werden Bindergeometrie, bereits belegte Trassen, Kranbahnprofile, Lichtbänder, Sprinklerleitungen und die tatsächlichen Maschinenstandorte. Wer Anlagen im Bestand einbaut, beginnt an dieser Stelle.
Das zweite Thema ist der Prozess. Je Maschine werden Absaugstutzen, benötigter Volumenstrom, Laufzeiten und Gleichzeitigkeit aufgenommen. Erst daraus ergibt sich die Summe, die das Gerät leisten muss, und diese Summe liegt fast immer unter der Addition aller Einzelwerte.
Dritter Punkt ist der Baukörper selbst. Wandaufbau, Deckenart, klassifizierte Bauteile und der Zustand der Dachhaut entscheiden darüber, wo eine Durchdringung überhaupt möglich ist. Eine Brandwand mitten in der Wunschtrasse verschiebt die Aufstellung des Geräts, nicht umgekehrt.
Das Aufmaß im Bestand unterscheidet sich vom Aufmaß auf der Baustelle im Neubau durch einen Punkt: nichts davon lässt sich verschieben. Jede Maschine, jedes Lichtband und jede Kabelbahn ist eine feste Randbedingung, und das Erfassungselement muss trotzdem dort sitzen, wo der Prozess es verlangt.
Das Aufmaß liefert die Randbedingungen. Daraus wird die Trasse gelegt.
Wie wird die Trasse durch eine belegte Halle geführt?
Die Trasse folgt im Bestand nicht der kürzesten Linie, sondern dem freien Raum. Gesucht wird eine Höhe, in der weder Kran noch Gabelstapler noch Hallentor streifen, und ein Verlauf parallel zu den vorhandenen Gewerken. Jede Kreuzung kostet einen Bogen und damit Druck.
Über die Standzeit der Anlage entscheidet der Querschnitt, nicht die später gewählte Ventilatorgröße. Gerechnet wird vom Erfassungselement her: Volumenstrom je Stelle, Querschnitt je Teilstrecke, Druckverlust über die gesamte Strecke. Grundlagen und Abstufung sind beim fest verlegten Hauptkanal mit Nebenstrecken beschrieben.
Bögen und Abzweige werden vor der Bestellung gezählt. Ein Bogen mit dem Radius des 1,5-fachen Durchmessers kostet ungefähr so viel Druck wie fünf Meter gerades Rohr, ein enger Segmentbogen deutlich mehr. Im Bestand sammeln sich diese Bögen schnell an, weil die Trasse Hindernissen ausweicht.
Die lichte Weite der vorhandenen Öffnungen begrenzt den Spielraum zusätzlich. Wo eine Trasse durch eine bestehende Wandöffnung oder zwischen zwei Bindern durchmuss, gibt dieses Maß den größten zulässigen Durchmesser vor, und die Luftgeschwindigkeit steigt dann an dieser Stelle messbar an.
Ausführung: Die Trasse mit dem Laser auf den Hallenboden projizieren und ablaufen, bevor Material bestellt wird. Jede Kollision, die hier auffällt, kostet eine Stunde Planung, und jede Kollision auf der Hebebühne kostet einen halben Tag.
Die gelegte Trasse braucht eine Befestigung. Deren Nachweis liegt beim Tragwerk.
Welche Lastannahme trägt die Befestigung an Binder und Decke?
Die Lastannahme umfasst Eigengewicht des Rohrs, Gewicht der Ablagerungen im Inneren, Isolierung und bei Außenstrecken Schnee und Wind. Bei Stahlbindern entscheidet die Nachweisführung des Tragwerksplaners, weil ein Binder nach DIN EN 1991-1-1 für eine bestimmte Nutzung bemessen wurde.
Im Bestand liegt hier der häufigste Konflikt. Ältere Hallenbinder haben keine Reserve für zusätzliche Lasten, und die Statikunterlagen fehlen oder passen nicht zum gebauten Zustand. Dann bleibt entweder eine Aufnahme durch einen Prüfingenieur oder eine eigene Stützenreihe unter der Trasse.
Die Befestigungsmittel selbst sind der zweite Punkt. Ankerschienen, Klemmverbindungen und Dübel brauchen eine Zulassung für den vorhandenen Untergrund, und die Zulassung bezieht sich auf Betonfestigkeit, Randabstand und Bohrlochtiefe. Ein Dübel in einer Filigrandecke ist etwas anderes als ein Dübel in Ortbeton.
Ausführung: Die Bohrtiefe an jedem fünften Punkt messen und notieren, nicht am ersten. Zu kurze Bohrlöcher sind im eingebauten Zustand unsichtbar, und ihre Tragfähigkeit zeigt sich erst später, wenn das Rohr voll steht.
Mit Trasse und Befestigung steht der Montageplan. Er muss in die Fertigung passen.
Wie wird die Montage in den laufenden Betrieb eingetaktet?
Montiert wird in Abschnitten, die jeweils an einem Wochenende oder in einer Schicht fertig werden. Jeder Abschnitt endet in einem verschlossenen Zustand, damit die Produktion am nächsten Morgen ohne offene Rohrenden und ohne gesperrte Verkehrswege anläuft.
Die Reihenfolge ist umgekehrt zur Planung. Zuerst steht das Gerät mit Fundament oder Standfläche, dann der Hauptkanal, dann die Nebenstrecken, zuletzt die Anschlüsse an die Maschinen. Nur so lässt sich jeder Abschnitt einzeln dichtsetzen.
Heißarbeiten sind der kritische Punkt im Ablauf. Schweißen und Trennschleifen in einer belegten Halle brauchen einen Erlaubnisschein, eine Brandwache und eine Nachkontrolle, und bei brennbaren Stäuben in der Umgebung ist die Reinigung vorher Teil der Freigabe. Diese Schnittstelle zwischen den Gewerken gehört in den Bauzeitenplan.
Geplant wird zugleich der Rückbau. Alte Einzelentstauber, stillgelegte Rohrstümpfe und nicht mehr genutzte Wandöffnungen verschwinden im selben Zug, und beim Rückbau fällt staubbelastetes Material an, das nach dem Regelwerk zu entsorgen ist. Wer diesen Posten vergisst, hat am Ende eine neue Anlage neben einer alten.
Der Montageplan endet am Maschinenanschluss. Daneben läuft das Elektrogewerk.
Wie wird der Anschluss an die vorhandene Elektroverteilung ausgeführt?
Der Anschluss an die Bestandsverteilung beginnt mit der Prüfung der freien Abgänge und der vorhandenen Leistungsreserve. Ventilatorantrieb, Abreinigung, Klappenantriebe und Steuerung brauchen zusammen mehr, als der Prospektwert des Geräts nennt.
Der Frequenzumrichter braucht einen Einbauort mit Wärmeabfuhr und eine Leitungsführung, die Störaussendung begrenzt. Geschirmte Motorleitung mit beidseitig aufgelegtem Schirm und getrennte Trasse für Steuerleitungen sind der Standard, der im Bestand gern entfällt und dann Messfehler an den Drucksensoren erzeugt.
Der Potentialausgleich der Rohrstrecke ist Teil derselben Arbeit. Jede Flanschverbindung wird durchverbunden, der Übergangswiderstand wird gemessen, und das Messergebnis gehört ins Protokoll. Bei brennbaren Stäuben ist das keine Formalie, sondern die Zündquellenbetrachtung in Papierform.
Steht die Anlage elektrisch, folgt die Einstellung der Luftmengen.
Wie läuft die Einregulierung der Teilströme ab?
Eingeregelt wird von der entferntesten Erfassungsstelle zur nächsten. Gemessen wird der Volumenstrom je Stelle, eingestellt wird über Drosselklappen im Abzweig, und der Ventilator läuft dabei auf der Drehzahl, die im Betrieb vorgesehen ist.
Der Filterwiderstand verfälscht jede Einregulierung mit neuen Elementen. Maßgebend ist nicht der saubere Filter, sondern der Zustand kurz vor der Abreinigung, und Datenblätter nennen beide Werte. Eine Anlage, die nur mit neuem Filter die Sollwerte erreicht, ist zu klein ausgelegt.
Bei Teilstromregelung kommt der Abgleich der Automatik hinzu. Klappenstellung, Drucksollwert im Hauptkanal und Umrichterkennlinie müssen zusammenpassen, damit die Anlage bei einer laufenden Maschine nicht denselben Strom zieht wie bei acht. Welche Laufradform und Kennlinie dahinterstehen, zeigt der Blick auf Bauformen der Ventilatoren.
Vor der Abnahme läuft die Anlage mindestens eine vollständige Schicht unter echter Beladung. Erst dann zeigen sich schwingende Klappen, pfeifende Dichtungen und Sollwerte, die im Leerlauf gestimmt haben. Diese Woche Probebetrieb ist der billigste Teil des ganzen Einbaus.
Die Einregulierung liefert die Zahlen. Die Abnahme prüft sie nach.
Woran zeigt sich bei der Übergabe ein sauberer Einbau im Bestand?
Die Abnahme vergleicht den gebauten Zustand mit der Planung und mit den Sollwerten. Geprüft werden Volumenströme je Erfassungsstelle, Unterdruck im Netz, Dichtheit der Verbindungen, Durchgang des Potentialausgleichs und die Funktion der Störmeldungen.
Beim Einbau im Bestand kommen die baulichen Punkte dazu. Durchdringungen mit zugelassenem Abschluss, Anschluss an die Luftdichtheitsebene, Befestigungsnachweise und die Freigaben der Heißarbeiten sind Teil der Unterlagen. Welche Nachweise sonst noch zur Lieferung gehören, steht in den Pflichten des Anlagenlieferanten.
Die Bestandszeichnung ist das Dokument, das am längsten gebraucht wird. Sie zeigt Trassenverlauf, Querschnitte, Klappenstellungen und Messpunkte, und sie ist die Grundlage für jede spätere Erweiterung und für den Rückbau einzelner Stränge. Eine Anlage ohne diese Zeichnung ist nach dem ersten Personalwechsel eine Blackbox.
Bemerkenswert ist, wie oft der Streit nach dem Einbau nicht an der Luftmenge hängt, sondern an der Zugänglichkeit. Reinigungsöffnungen hinter einem Regal und Klappen über einer Maschine sind rechnerisch gleichwertig mit frei erreichbaren, praktisch werden sie nie bedient.