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Welche Baukosten die Amortisationszeit einer PV-Anlage verschieben

Stand 18.7.2024 von Jutta Mehlhorn 5 Minuten Lesezeit

Die Amortisationszeit einer Photovoltaikanlage wird am Schreibtisch gerechnet und auf dem Dach entschieden. Zwischen dem Angebotspreis und der Summe, die am Ende auf der Rechnung steht, liegen Positionen, die am Gebäude entstehen und im Angebot oft fehlen: Gerüst, Sonderbauteile für die Deckung, ein neuer Zählerplatz, Leitungswege durch mehrere Geschosse. Jede dieser Positionen verschiebt den Zeitpunkt, an dem sich die Anlage trägt.

Gerüst an einem Satteldach während der Montage einer Photovoltaikanlage
Gerüst an einem Satteldach während der Montage einer Photovoltaikanlage

Welche Positionen fallen vor dem ersten Modul an?

Noch bevor ein Modul auf dem Dach liegt, entstehen Kosten für Zugang und Sicherung. Gerüst, Dachfanggerüst oder Seitenschutz, Absturzsicherung für die Monteure, dazu bei engen Grundstücken die Standfläche für Hebebühne oder Kran. Diese Positionen hängen am Gebäude, nicht an der Anlagengröße.

Die Absturzsicherung ist dabei keine Verhandlungssache. Auf Dächern mit mehr als drei Metern Absturzhöhe sind Schutzmaßnahmen vorgeschrieben, und bei Dachneigungen über 20 Grad verlangt die DGUV ein Dachfanggerüst oder gleichwertige Maßnahmen. Wer hier spart, verlagert ein Risiko und keine Kosten.

Hinzu kommt die statische Prüfung. Der Standsicherheitsnachweis für die Unterkonstruktion mit den Lastzonen nach DIN EN 1991-1-3 und DIN EN 1991-1-4 ist eine eigene Leistung, und bei schwachen Dachstühlen folgt daraus eine Verstärkung der Sparren als zweite.

Ausführung: Das Gerüst vor der Materiallieferung bestellen und die Standzeit an den Elektrotermin koppeln. Jede Woche Leerstand des Gerüsts ist eine Position, die niemand eingeplant hat und die trotzdem abgerechnet wird.

Zugang und Statik sind Vorleistungen. Die Deckung bestimmt, was danach auf das Dach kommt.

Welche Sonderbauteile verlangt die Deckung?

Jede Deckungsart braucht ihr eigenes Befestigungsbauteil, und die Preisspanne zwischen Standard und Sonderfall ist erheblich. Pfannenziegel kommen mit dem gängigen Dachhaken aus, Biberschwanz, Schiefer, Blech und Faserzement brauchen jeweils eigene Systeme.

Besonders aufwendig wird es bei Biberschwanzdeckung. Die kleinteilige Deckung erlaubt keinen Standardhaken, ohne dass Kopf- und Fußfalze nachgearbeitet werden, und genau diese Nacharbeit mit Trennschleifer oder Hammer widerspricht den Verarbeitungsvorgaben der Ziegelhersteller. Richtig ist hier eine Dachträgerplatte, die sich in die Deckung einfügt.

Bei Trapezblech und Sandwichelementen entfällt der Dachhaken, dafür kommen Kalotten, Dichtschrauben oder geklemmte Systeme ins Spiel. Bei Stehfalzdeckung sind Falzklemmen die saubere Lösung, weil sie die Dachhaut gar nicht erst durchdringen.

Dachneigungen unterhalb der Regeldachneigung verschärfen das Bild. Dort ist die Deckung ohnehin nur mit Zusatzmaßnahmen regensicher, und jede Durchdringung wird zur Schwachstelle. Welche Befestigung in welche Deckung gehört, ist im Beitrag zur Ausführung am Gebäude nach Schritten aufgeschlüsselt.

Die Bauteile sitzen auf der Deckung. Manchmal gehört die Deckung selbst auf die Rechnung.

Wie wirkt sich eine Dachsanierung im Zuge der Montage aus?

Liegt die Eindeckung am Ende ihrer Nutzungsdauer, ist die Montage der falsche Zeitpunkt für eine neue Anlage und der richtige für eine Sanierung. Eine Anlage auf einer Deckung, die in acht Jahren fällig wird, muss dann abgebaut, zwischengelagert und wieder aufgebaut werden.

Rechnerisch ist das die teuerste Variante, weil Gerüst, Montage und Elektroanschluss ein zweites Mal anfallen. Fachlich ist sie zusätzlich riskant, weil demontierte Module beim Wiederaufbau nicht mehr unter Herstellergarantie für die Montage stehen.

Wer Deckung und Anlage zusammen erneuert, spart das Gerüst einmal vollständig. Die Unterspannbahn lässt sich bei offener Deckung sauber anschließen, Kabeldurchführungen können in die Bahn eingebunden werden, und der Sparrenquerschnitt ist am offenen Dachstuhl prüfbar statt schätzbar.

Die Dachhaut ist nach der Montage geschlossen. Die Elektroseite fängt erst an.

Welche Arbeiten kommen am Zählerplatz hinzu?

Der Zählerplatz ist die Position, die in Angeboten am häufigsten als Vorbehalt steht und in der Abrechnung als Nachtrag erscheint. Maßgeblich sind die Technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers auf Grundlage der VDE-AR-N 4100 für das Niederspannungsnetz.

Gefordert werden ein eigener Zählerplatz für die Erzeugungsanlage, ausreichende Reserveplätze, Platz für die Messtechnik und ein Raum für den Anschlussnutzer. Zählerschränke aus den siebziger und achtziger Jahren erfüllen davon fast nichts, und Zählerkreuze ohne Hutschiene sind nicht erweiterbar.

Zum Umbau gehören regelmäßig weitere Arbeiten: ein Potentialausgleich nach DIN VDE 0100-540, wenn keiner vorhanden ist, ein Überspannungsschutz nach DIN VDE 0100-443 und 0100-534, und bei älteren Installationen eine Erneuerung der Hauptleitung. Diese Punkte sind keine Zusatzwünsche, sondern Voraussetzung für die Inbetriebnahmeanzeige.

Ausführung: Vor dem Angebot ein Foto des geöffneten Zählerschranks einholen und die TAB des zuständigen Netzbetreibers daneben legen. Steht dort eine Anforderung, die der Schrank nicht erfüllt, ist der Umbau eine feste Position und kein Risiko.

Der Zählerplatz steht im Keller, der Wechselrichter meist nicht. Zwischen beiden liegt Gebäude.

Welche Leitungswege entstehen im Gebäude?

Die Wechselstromleitung vom Wechselrichter zum Zählerschrank ist eine Baustelle im bewohnten Gebäude. Liegt der Wechselrichter im Dachraum und der Zähler im Keller, führt die Leitung über alle Geschosse, und jede Geschossdecke ist eine Durchdringung.

Bei Decken mit Feuerwiderstand braucht jede Durchführung einen zugelassenen Abschluss, bei Schächten gilt das ohnehin. Fehlt ein nutzbarer Steigeschacht, wird aufgestemmt, geschlitzt und verputzt, und diese Arbeiten gehören zum Gewerk Trockenbau oder Maurer, nicht zum Elektriker.

Günstiger wird es, wenn der Wechselrichter in der Nähe des Zählerschranks sitzt. Dann liegt die lange Strecke auf der Gleichstromseite, und dort ist der Querschnitt die einzige Variable. Welchen Einfluss die Leitungslänge auf den Jahresertrag der Anlage hat, entscheidet der Querschnitt und nicht der Weg.

Die Leitung liegt. Was danach kommt, hängt am Netzbetreiber.

Welche Anforderungen stellt der Netzanschluss?

Der Netzanschluss ist eine Leistung des Netzbetreibers und folgt dessen eigenen Vorgaben. Bei vorhandenem Hausanschluss mit ausreichender Leistung beschränkt sich das auf Zählerwechsel und Verwaltungsaufwand, bei Verstärkungsbedarf wird es ein eigenes Projekt.

Verstärkungsbedarf entsteht, wenn die geplante Einspeiseleistung die Anschlussleistung übersteigt oder das Netz am Anschlusspunkt an seiner Grenze arbeitet. Der Netzbetreiber prüft das im Rahmen der Anmeldung nach VDE-AR-N 4105 und kann Maßnahmen verlangen, die beim Anschlussnehmer anfallen.

Bei größeren Anlagen kommt die Messung hinzu. Oberhalb bestimmter Leistungsgrenzen ist eine registrierende Lastgangmessung oder eine Fernsteuerbarkeit gefordert, und beides verlangt Platz, Verkabelung und eine Datenverbindung am Zählerplatz.

Wie ein Montagebetrieb diese Schnittstellen abarbeitet, zeigt der Blick auf die Ausführung auf dem Bestandsdach im Ablauf einer konkreten Nachrüstung.

Mit dem Netzanschluss läuft die Anlage. Eine Position bleibt offen, und zwar bis zum Ende.

Woran erkennt die Abrechnung vollständige Baukosten?

Vollständig ist eine Abrechnung, wenn sich jede Position einem Bauteil oder einem Gewerk zuordnen lässt und nichts als Pauschale stehen bleibt. Pauschalen verstecken genau die Arbeiten, die am Bestand unvorhersehbar sind, und werden später als Nachtrag sichtbar.

Zu den Positionen, die in einem belastbaren Angebot stehen, gehören die Arbeiten am Gebäude ebenso wie die an der Anlage:

  • Zugang und Sicherung: Gerüst, Dachfanggerüst, Absturzsicherung, Standfläche für Hebetechnik
  • Statik: Standsicherheitsnachweis mit Lastzonen, bei Bedarf Sparrenverstärkung
  • Dachbauteile: Befestigungssystem passend zur Deckung, Durchführungen, Dichtmanschetten
  • Elektroseite: Zählerplatzumbau nach TAB, Potentialausgleich, Überspannungsschutz, Leitungswege mit Durchdringungen
  • Abschluss: Messprotokolle, Standsicherheitsnachweis, Inbetriebnahmeanzeige, Strangdokumentation

Der letzte Posten taucht in keinem Angebot auf und fällt trotzdem an. Der Rückbau am Ende der Nutzungsdauer verlangt Gerüst, Demontage, Entsorgung der Module über die Rücknahmesysteme nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz und die Wiederherstellung der Dachhaut an allen Durchdringungen. Wer dafür beim Bau keine lösbaren Verbindungen und keine dokumentierten Durchführungen vorsieht, macht aus dem Rückbau eine Dachsanierung.