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Woran sich die Montagequalität von Energieversum ablesen lässt

Stand 17.6.2024 von Jutta Mehlhorn 6 Minuten Lesezeit

Die Qualität einer Photovoltaikmontage lässt sich nicht aus einer Bewertung ablesen, sondern nur am Bauteil. Wer eine fertige Anlage auf dem Dach vorfindet, hat dafür eine überschaubare Zahl von Stellen, die sich ohne Demontage prüfen lassen. Energieversum montiert Anlagen auf Steildächern im Bestand, und für diese Bauart gilt wie für jede andere: entscheidend ist, was Haken, Schiene, Durchdringung und Kabelführung im eingebauten Zustand zeigen. Prüfbar sind die Merkmale der Ausführung, nicht der Name des ausführenden Betriebs.

Dachdurchdringung mit Kabeldurchführung und Dichtmanschette einer PV-Anlage
Dachdurchdringung mit Kabeldurchführung und Dichtmanschette einer PV-Anlage

Welche Merkmale einer Montage lassen sich überhaupt prüfen?

Prüfbar ist alles, was von außen sichtbar oder mit der Hand erreichbar bleibt. Das sind die Lage der Dachhaken, die Beweglichkeit der Ziegel darüber, die Flucht der Schienen, der Sitz der Dichtmanschette, die Führung der Leitungen und die Beschriftung der Anlage.

Nicht prüfbar ist ohne Öffnen, wie tief die Schraube im Sparren sitzt und ob der Haken auf dem Sparren oder neben ihm liegt. Dafür gibt es nur die Dokumentation, und genau deshalb hat die Akte denselben Rang wie das Bauteil.

Die Trennung zwischen beiden Gruppen ist wichtig für jedes Gespräch über Mängel. Wer eine Schwachstelle an einer sichtbaren Stelle findet, kann sie zeigen. Wer eine im Verborgenen vermutet, braucht zuerst das Protokoll.

Die erste sichtbare Stelle ist immer der Übergang zwischen Haken und Deckung.

Woran lässt sich das Setzen der Dachhaken beurteilen?

Der Ziegel über dem Haken muss sich von Hand bewegen lassen. Sitzt er auf dem Haken auf, überträgt er unter Schnee- und Windlast Druck auf ein Bauteil, das dafür nicht gemacht ist. Herstellerangaben nennen einen Mindestabstand von 5 mm zum darunterliegenden Ziegel.

Dazu kommt der Blick auf die Ziegel selbst. Risse am Falz, abgeschliffene Kanten und eingelegte Bruchstücke sind kein Pech, sondern das Zeichen, dass eine Befestigungsstelle mit dem Winkelschleifer passend gemacht wurde. Das ist nach dem Regelwerk ein Mangel, weil Einbauteile die Deckung unter Belastung nicht beschädigen dürfen.

Die Lage im Raster ist das zweite Merkmal. Die Haken müssen den Sparren folgen, also in einem gleichmäßigen Abstand sitzen, der dem Sparrenabstand oder einem Vielfachen davon entspricht. Ein unregelmäßiges Raster weist darauf hin, dass nicht nach Lastannahme, sondern nach Augenmaß gesetzt wurde.

Ausführung: Die Reihe von der Traufe aus abzählen und den Hakenabstand an drei Stellen nachmessen. Weicht ein einzelner Abstand deutlich ab, liegt dort entweder ein Wechsel im Dachstuhl oder eine Befestigung neben dem Sparren, und das gehört ins Protokoll.

Was auf den Haken liegt, entscheidet darüber, ob die Last überhaupt gleichmäßig ankommt.

Woran zeigt sich eine tragfähige Schienenlage?

Die Montageschienen müssen parallel zur Traufe verlaufen und in einer Ebene liegen. Eine Schiene, die der welligen Dachfläche folgt, klemmt den Modulrahmen nur auf einer Kante ein, und die Last erreicht die Haken ungleich verteilt.

Das lässt sich mit einer gespannten Schnur über die gesamte Reihe prüfen. Wer die Unterkonstruktion sauber ausführt, gleicht die Höhe an den Haken aus und verzieht nicht die Schiene. Zwangskräfte im Rahmen zeigen sich erst später, meist als Rahmenbruch an einem Eckpunkt nach dem zweiten Winter.

Die Stoßstellen sind das zweite Merkmal. Aluminiumprofile dehnen sich bei Temperaturwechsel messbar, deshalb braucht ein durchgehender Schienenstrang über die volle Dachbreite eine Bewegungsmöglichkeit. Starr verschraubte Stöße drücken im Sommer gegen die Befestigung.

Dazu gehört der Blick auf die Werkstoffpaarung. Haken aus Edelstahl, Profile aus Aluminium und Verbindungsmittel aus Edelstahl verhalten sich im eingebauten Zustand verträglich, verzinkter Stahl direkt an Aluminium nicht.

An den Modulklemmen endet die mechanische Prüfung, und die Prüfung der Dichtheit beginnt.

Welche Ausführung einer Durchdringung hält dicht?

Die einzige echte Durchdringung der wasserführenden Ebene liegt am Kabel. Sauber ausgeführt ist sie über eine Solardachpfanne oder einen Lüfterziegel mit Dichtmanschette, bei der die Leitung ohne Zug und mit einer Schlaufe nach unten in den Dachraum geht.

Die Lage dieser Stelle ist prüfbar. Sie gehört in das obere Drittel der Dachfläche, nah am Modulfeld und nicht in die Kehle, weil dort das Wasser gesammelt abläuft. Eine Durchdringung dicht über der Traufe steht im Stau des ablaufenden Wassers.

Falsch ausgeführt erkennt man an drei Zeichen: eine aufgebohrte Dachpfanne ohne Manschette, eine mit Dichtmasse zugestrichene Öffnung oder eine Leitung, die zwischen zwei Ziegeln hindurchgeführt und dort eingeklemmt wurde. Dichtmasse ist auf dem Dach kein Bauteil, sondern eine Reparatur.

Ausführung: Die Durchdringung von innen aus dem Dachraum ansehen und die Unterspannbahn an dieser Stelle prüfen. Ein Schnitt in der Bahn ohne Klebeband und ohne Manschette führt Kondenswasser und Flugschnee in die Dämmung, und das fällt bei der Abnahme von außen nicht auf.

Mit der Durchdringung wechselt die Prüfung von der Dachhaut auf die Elektroseite.

Woran lässt sich die Kabelführung auf dem Dach beurteilen?

Die Leitungen im Modulfeld dürfen nicht auf der Deckung aufliegen und nicht über Kanten laufen. Sauber geführt sind sie in der Schiene oder an Kabelhaltern unter den Modulen, mit Abstand zum Ziegel und ohne Zug an den Steckverbindern.

Der Grund liegt an der Deckung und an der Leitung gleichzeitig. Eine Leitung auf dem Ziegel scheuert bei jedem Temperaturwechsel, und eine Leitung in einer Pfütze zwischen zwei Ziegelwellen steht dauerhaft im Wasser. DIN VDE 0100-712 verlangt für die Gleichstromseite eigens geprüfte Solarleitungen, doppelt isoliert, UV-beständig und halogenfrei.

Sichtbar sind auch die Steckverbinder. Gemischte Fabrikate an einer Verbindung sind ein Mangel, weil die Kontaktgeometrie nicht garantiert zusammenpasst, und das steht im Datenblatt des jeweiligen Herstellers. Zusammengesteckt halten sie trotzdem, und genau das macht den Fehler so langlebig.

Wie stark diese Stellen über die Jahre arbeiten, beschreibt der Beitrag zur Nutzungsdauer der einzelnen Bauteile im Einzelnen.

Die Kabelführung endet an der Durchführung. Die Befestigung im Feld entscheidet, wie lange sie dort bleibt.

Welche Befestigung halten die Leitungen im Modulfeld?

Gehalten werden die Leitungen mit UV-beständigen Klemmen aus Kunststoff oder Edelstahl, die in die Schiene greifen oder am Modulrahmen sitzen. Kabelbinder aus dem Baumarkt verspröden auf dem Dach innerhalb weniger Jahre, und danach liegt die Leitung auf der Deckung.

Die Abstände folgen der Praxis, nicht einer Norm. Üblich sind Halter alle 30 bis 50 Zentimeter, damit zwischen zwei Haltern kein Durchhang entsteht, der Wasser sammelt oder im Wind schlägt. Die Schlaufe am Stecker bleibt lose.

Welche Unterlagen belegen die geprüften Merkmale?

Belegt wird alles, was im Dachaufbau verschwindet. Dazu gehören der Standsicherheitsnachweis mit den angesetzten Lastzonen, der Strangplan, das Messprotokoll der Elektroinstallation und die Inbetriebnahmeanzeige des Netzbetreibers.

Die Lastannahme ist dabei der Punkt mit dem größten Gewicht. Die Schneelast steht in DIN EN 1991-1-3 mit dem Nationalen Anhang und seinen Zonen 1 bis 3, die Windlast in DIN EN 1991-1-4 mit Windzone, Geländekategorie und Gebäudehöhe. Ohne diese Angaben lässt sich die Zahl der Befestigungspunkte nicht nachrechnen.

Für die Erzeugungsanlage selbst gilt VDE-AR-N 4105, und die Anmeldung beim Netzbetreiber liegt vor der Inbetriebnahme. Wer die Unterlagen sammelt, bevor das Gerüst abgebaut wird, hat es leichter, weil danach jede Nachfrage eine Anfahrt kostet.

Welche Schritte in dieser Reihenfolge auf der Baustelle nacheinander anstehen, beschreibt der Beitrag zum Ablauf einer Montage auf dem Bestandsdach.

Aus Bauteil und Akte zusammen entsteht das Bild, das die Abnahme braucht.

Woran lässt sich eine prüffähige Montage vor der Abnahme ablesen?

Prüffähig ist eine Montage, bei der jede Angabe entweder sichtbar oder dokumentiert ist. Die Abnahme geht deshalb in beide Richtungen: aufs Dach für Haken, Schiene, Durchdringung und Kabelführung, in die Akte für Lastannahme, Strangzuordnung und Messwerte.

Die Kennlinienmessung je Strang ist der aussagekräftigste Einzelpunkt. Weicht ein Strang bei gleicher Einstrahlung messbar von seinen Nachbarn ab, liegt eine Teilverschattung oder eine falsche Verschaltung vor, und beides lässt sich am Tag der Abnahme in einer Stunde klären.

Ein Merkmal zählt für die ganze Nutzungsdauer: die Anlage bleibt dauerhaft zugänglich. Wechselrichter, Steckverbinder und Durchführung müssen sich ohne Demontage des Modulfelds erreichen lassen, und beim Rückbau müssen Haken und Schienen wieder von der Deckung gehen, ohne sie zu zerstören.

Wo diese Punkte im Protokoll stehen, lässt sich ein später auffallender Minderertrag einer Ursache zuordnen. Fehlen sie, bleibt nur die Vermutung, und deren Beweislast trägt am Ende der Betreiber. Welche Ausführungsfehler sich dabei am Verlauf der Jahresarbeit ablesen lassen, zeigt sich oft erst im zweiten Betriebsjahr.